Fahren mit Licht, auch tagsüber

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Fahren mit Licht, auch tagsüber

Gedanken zur MG-A und MG-B-Elektrik

ein Beitrag von Hartmut Henne

Die Fahrzeugdichte hat seit den 50ern und 60ern des letzten Jahrhunderts, in der Zeit als der MG-A und MG-B konstruiert und gebaut wurde, um mehrere Faktoren zugenommen. Wesentlich mehr Fahrzeuge sind auf den Strassen, sie sind größer und breiter, alles wird etwas enger. Ein Sicherheitsfaktor ist „sehen“ und „gesehen werden“. Ein Fahren mit Licht, auch tagsüber, setzt sich immer mehr durch, in einigen Ländern ist es schon Pflicht geworden. Neufahrzeuge werden mit Tagfahrlicht ausgeliefert.

Wer ohne Licht fährt wird leicht übersehen, wie es mir mit meinem dunkelgrünen MG häufig passiert ist. In Folge wird auch tagsüber das Fahrlicht / Abblendlicht eingeschaltet, denn das eingeschaltete Standlicht ist keine wirkliche Hilfe, es ist kaum sichtbar und auch nicht erlaubt.

Ist die Elektrik des MG-A bzw. MG-B für Dauerbetrieb geeignet?
Der Kabelbaum von MG-A und MG-B ist gut dimensioniert, die Querschnitte sind mehr als ausreichend. Allerdings wurde wenig in die Absicherung und in die Langlebigkeit der Schalter und Kontakte investiert, denn offene Sportwagen fuhren überwiegend tagsüber ohne Licht.

Die Schwachstellen in der MGA- und MGB-Elektrik

  • Nur wenige Stromkreise sind abgesichert
    Beim MG-A und beim frühen MG-B gibt es nur zwei Sicherungen, eine Sicherung für die Hupe und die andere für die Stromkreise von Wischer, Tankanzeige, Blinker und Bremslicht.

    Ab dem Baujahr 68 wurden zwei zusätzliche Sicherungen verbaut, eine für das Standlicht links und die andere für das Standlicht rechts.

    Keine Sicherung erhielten die Stromkreise Abblendlicht, Fernlicht, Lichthupe, Benzinpumpe, Overdrive und Instrumentenbeleuchtung.

  • Die Steckverbindungen, ausgeführt mit Rund- bzw. Flachstecker, sind an den Enden offen und sammeln im Laufe der Jahre Feuchtigkeit und Schmutz, was zu Korrosion und schlechtem Kontakt führt.

    Auf dem Foto ist die Fuse-Box und das Starterrelais eines in die Jahre gekommenen MGB zu sehen. Alles hat noch funktioniert und wenn nicht, dann war es Lucas, the King of the Darkness. Wirklich?

  • Mäßige Beleuchtung durch Bilux-Lampen und ein schwach dimensioniertes Standlicht, bzw. Rücklicht. Erst ab dem Baujahr 1976 wurden beim MG-B serienmäßig H4-Lampen verbaut.

  • Die zur Verfügung stehende Leistung der Lichtmaschine:
    Die beim MG-A bzw. frühen MG-B zum Einsatz kommende C40 Gleichstromlichtmaschine liefert maximal 22 Ampere und das erst ab einer Drehzahl von 2.250 upm. Einen Beitrag zum Stromverbrauch kann die Gleichstromlichtmaschine erst ab einer Drehzahl von ca. 1.450 upm,  der Beginn der Batterieladung, bieten. Wer mit Licht fährt bewegt sich also permanent im Grenzbereich zwischen Batterie laden und entladen, wie eine Strombilanz verdeutlicht:

    Die Verbraucher sind:
    - Standlicht, 2 x 4 Watt und 2 x 5 Watt, entspr. ca. 1,5 Amp.
    - Instrumentenbeleuchtung, je nach Modell 1 bis 2 Amp.
    - Abblendlicht, 2 x 55 Watt H4, entspr. ca. 9 Amp.
    - Zündung, ca. 3 Amp.
    - Blinker (nur kurzzeitig), 4 x 21 Watt, entspr. ca. 7 Amp.
    - Bremslicht (nur kurzzeitig), 2 x 21 Watt, entspr. ca. 3,5 Amp.
    - Fernlicht (zeitweise), 2 x 60 Watt (statt des Abblendlichtes), entspr. 10 Amp.
    - Overdrive, falls verbaut, ca. 1 Amp.
    - Elektrolüfter, falls verbaut, je nach Type 3-5 Amp.
    Wird mit Abblendlicht gefahren fließen mindestens 14 Amp., Blinker, Bremslicht und andere Verbrauer kommen noch hinzu. Fällt die Drehzahl unterhalb von ca. 1.500 upm holen sich die Verbraucher einen Teil des benötigten Stroms aus der Batterie, die in Folge mehr und mehr entladen wird. Zu merken ist das am Abblendlicht, wenn es bei zunehmender Drehzahl heller wird.

    Vorausgesetzt, der Regler der Gleichstromlichtmaschine ist korrekt eingestellt. Drei Werte sind es, die hin und wieder überprüft werden sollten, der Beginn des Ladevorgangs, der maximale Ladestrom und wann der Regler die Lichtmaschine von der Batterie trennt, um eine Entladung zu vermeiden.

    Im Foto hat der rechte Kontakt des Reglers starken Abbrand. Ihn wird man kaum richtig einstellen können.

    Regler



    Erst als die Drehstromlichtmaschine im Jahre 1967  verbaut wurde, die auch bei Leerlaufdrehzahl ausreichend Power zur Verfügung stellt, gehörten diese Probleme der Vergangenheit an.

    Die Option, eine Drehstromlichtmaschine im Gehäuse einer Gleichstromlichtmaschine zu verbauen, ist mit hohen Kosten und einer noch zu hohen Ausfallrate, bedingt durch thermische Probleme, verbunden.


  • Die Haltbarkeit der Bauteile, z.B. des Lichtschalters
    Hohe Ströme lassen die Kontakte mit der Zeit altern, sie bekommen Abbrand und korrodieren, der Übergangswiderstand nimmt zu, welcher für Leistungsverluste und Wärmeentwicklung verantwortlich ist. Wenn der Lichtschalter warm wird ist das ein Hinweis darauf. Nachbauten sind nicht unbedingt besser verarbeitet, eher im Gegenteil, was die Lebensdauer verkürzt.

Mögliche Folgen der Schwachstellen
Auch wenn die Elektrik seit Jahren einwandfrei funktioniert, die Probleme nehmen mit dem Alter des MG zu. Entweder ist ein Schalter auszutauschen oder beim Einschalten des Lichtes „riecht es nach Strom“ und eine kleine Rauchwolke kommt unter dem Armaturenbrett hervor:

    • Das Bild zeigt den deutlich mitgenommenen Kabelbaum, der unter dem Armaturenbrett verbaut ist. Die Ursache: Im Stromkreis für die Instrumentenbeleuchtung (ist nicht abgesichert) entstand ein Kurzschluss, der ihn verschmoren ließ, er musste ausgetauscht werden.

Kabelbaum

  • Ein anderer Schaden an einem MG-B:
    Nach einem Auffahrunfall, die vordere Partie wurde eingedellt, fing die Plastikabdeckung vom Lichtschalter am Lenkrad an zu brennen und wurde mit einem Pulverlöscher gelöscht. Was anfangs wie ein überschaubarer Blechschaden aussah entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Fast-Totalschaden. Im Stromkreis des Abblendlichtes (ist nicht abgesichert) wurde durch den Auffahrunfall ein Kurzschluss verursacht, der den Kabelbaum bis zu den Lichtschaltern im Lenkrad verschmoren ließ und schließlich den Kunststoff zum brennen brachte. Der Einsatz des Pulverlöschers erstickte zwar die Flamme, vergrößerte jedoch den Schaden durch das feine Pulver, das nun unter dem Armaturenbrett und in den Instrumenten beseitigt werden muss.

Die Erkenntnis daraus: Wenn was passiert, sollte der Schaden in Grenzen bleiben


Was kann getan werden, um auf der sicheren Seite zu sein?

  • Ein neuer Kabelbaum wird nur erforderlich, wenn der verbaute beschädigt ist, z.B. durch einen Kabelbrand. Allerdings bleiben bei einem neuen Kabelbaum die oben erwähnten konstruktiven Mängel bestehen.

  • Abblend- und Fernlicht sollten auf H4 umgerüstet werden. Meistens wird ein neuer Scheinwerfereinsatz erforderlich, es gibt jedoch auch H4-Lampen mit Bilux-Anschlüssen.

  • Der Lichtschalter für die beiden Stromkreise, das Abblendlicht und das Fernlicht, ist durch jeweils ein Relais zu entlasten, um den Strom von ca. 8 Ampere, bei Betätigung der Lichthupe auch mal 16 Ampere, vom Schalter fern zu halten und über kurze Wege den Lampen zur Verfügung zu stellen.

    Jeder Stromkreis erhält eine eigene Sicherung.

    Das Licht wird deutlich heller, einmal durch die H4-Lampen aber auch weil die Stromwege kurz gehalten werden. Und die beiden Sicherungen verhindern Schlimmeres wenn etwas passiert.

  • Wie weiter oben angedeutet macht es Sinn auch tagsüber mit Licht zu fahren. Normalerweise ist dies das Abblendlicht, was jedoch in Verbindung mit dem Standlicht permanent einen hohen Strom benötigt und die Bauteile unnötig belastet.

    Es ist zu überlegen, ob nicht ein LED-Tagfahrlicht (TFL) verbaut werden soll, das nur ein Bruchteil des Stromes benötigt.

    Eine LED-Lampe am Oldtimer, unvorstellbar.
    Das Unvorstellbare habe ich versucht und das sieht dann so aus:
    MGB MGBled
    Die zugelassenen Tagfahrlichtscheinwerfer mit 70mm Durchmesser wurden unterhalb der Stoßstange montiert und stören den Anblick nicht. Nur eine LED, kein LED-Band, leuchtet nur bei „Zündung an“. Die verbaute Gleichstromlichtmaschine wird mit den fließenden 0,5 Amp. dabei kaum belastet.
    Ergebnis: Seit dem fahre ich etwas entspannter, denn übersehen werde ich nicht mehr.

Und die Kosten einer Nachrüstung?
Benötigt werden vier Sicherungen und zwei Relais, die inkl. Einbau keine 100,- € kosten. Die beiden TFL gibt es für ca. 50,- €, der Einbau kommt hinzu. Wer etwas geschickt ist, kann den Einbau in beiden Fällen selber vornehmen.

Übrigens, zahlreiche andere MG-Modelle haben gleiche Voraussetzungen und damit die gleichen Probleme.